Verkehr und Kohle machen zu schaffen

 

von Dieter Lorig

Nach Einstellung des Kohleabbaues in der Primsmulde kommt das beschauliche Dorf Bilsdorf an der Prims wieder langsam zur Ruhe

Die Menschen im kleinsten Ortsteil der Gemeinde Nalbach waren und sind teilweise immer noch stinksauer! Vom 1. September 2006 bis 23. Februar 2008 wurde gegen deren Willen unter der Primsmulde Kohle abgebaut. Das Schicksal anderer saarländischer Gemeinden hatte zuvor gezeigt, dass hierbei gravierende Gebäudeschäden in Wohngebieten entstehen.1600 Haus- und Grundstückseigentümer der Gemeinde Nalbach hatten Widerspruch beim Bergamt eingelegt gegen die Kohleabbaupläne des Deutschen Steinkohlekonzerns. Jedoch zunächst vergeblich! Die staatlichen Genehmigungsbehörden, gemeint ist das Saarbrücker Bergamt, "wischten" alle Einwändungen der besorgten Menschen mit einem Federstrich vom Tisch und genehmigten den Sofortvollzug! "Kohleabbau auf Teufel komm raus", lautete die Devise im Saarland und dies mit Millionen Euro an Subventionen aus der leeren Staatskasse. Ein bergbaubedingtes Erdbeben von über 4,0 auf der Richterskala bei einer Schwinggeschindigkeit von annähernd 100 mm/sec beendete nach jahrelangen Bürgerprotesten dann schlagartig den Kohleabbau in der Primsmulde. Zuvor waren die Menschen in dieser Region immer wieder unzumutbaren Erderschütterungen ausgesetzt mit Stärken von bis zu 3,5 auf der nach oben offenen Richterskala bei Schwinggeschindigkeiten bis zu 71,3 mm/sec (!!!) Die anhaltend wütenden Proteste der Bürger haben die Verusacher dieser Beben lange Zeit ignoriert. Wirtschaftliche Zwänge eines Kohlekonzernes hätten Vorrang vor privaten Interessen, gab der inzwischen gefeuerte Bergwerksdirektor der einzigen Grube im Saarland sinngemäß im Fernsehen zu verstehen. Rücksichtslos kalkulierte er nach eigenen Angaben auch Totalschäden an Häusern ein. Knapp 50 Mio. Euro Gelder für Entschädigungsleistungen hatte der Kohlekonzern schon mal vorsorglich auf der hohen Kante geparkt. Die verantwortlichen saarländischen Regierungspolitiker hatten dem allwöchentlichen Erdbebenszenario lange nichts entgegen zu setzen. Erst nach dem Megabeben im Februar 2008, bei dem es zu Millionen-Schäden an Häusern und Fabriken kam, lenkten Regierung und RAG ein. In unmittelbarer Nähe von Bilsdorf ruht der Kohleabbau nunmehr. Kaum 10 Kilometer entfernt, geht das unsägliche Treiben des Unrechtskonzerns zu Lasten der Bewohner dieser Region und den Steuerzahlern leider weiter!

Ein weiteres Problem für die in Bilsdorf wohnenden Menschen ist der immer stärker werdende motorisierte Verkehr. Dies macht vor allem den Bewohnern der Ortsdurchfahrt zunehmend zu schaffen.


Ruhig und beschaulich ist es in den letzten Jahren vor allem in den abseits der Ortsdurchfahrt gelegenen Gebieten von Bilsdorf geworden. Jedoch ist der kleine Primstalort mit seinen 1300 Einwohnern von den Abbauplänen der Deutschen Steinkohle AG (DSK) unmittelbar betroffen. Vom 1. September 2006 bis 23. Februar 2008 baute die DSK rücksichtslos unweit vom Bilsdorfer Ortsrand in den Feldern Primsmulde 1/2 Kohle ab. Ständige Erdbeben und Schäden an den Häusern trieben die Menschen zu den größten Protesten, die es im Saarland jemals gab, auf die Straße. Viele Bilsdorfer Haushalte sind zwischenzeitlich in einer Interessengemeinschaft zur Abwendung bergbaubedingter Schäden organisiert und wehren sich gegen den irrsinnigen Kohleabbau und die hierdurch verursachtgen unzumutbaren Schäden an Häusern und Grundeigentum.
Die Bergbaubetroffenen sind in der
saarlandweiten IGAB zusammengeschlossen und organisierten bis kürzlich immer wieder Demonstrationen sowie Mahnwachen gegen den Kohleabbau mit Einwirkungen auf bewohnte Ortslagen. Nach dem Megabeben vom Februar 2008 ruht der Bergbau in der Primsmulde. Angesichts des selbst verschuldeten Desasters in der Primsmulde hat die RAG nunmehr die Konsequenzen gezogen. Zum 1. Juli 2012 wird der Bergbau im Saarland gänzlich eingestellt.
Dennoch "träumen" die saarländischen LINKEN und SPD von einem Sockelbergbau im Saarland über das Jahr 2012 hinaus. Der Landtagswahlkampf im Jahr 2009 lässt jetzt schon grüßen. CDU, FDP und Grüne im Saarland begrüßen den vorzeitigen Ausstieg aus dem saarländischen Bergbau bis spätestens 2012.
Während noch vor 30 Jahren viele Bilsdorfer selbst in saarländischen Gruben ihren Lebensunterhalt verdienten, ist die dortige Bevölkerung heute überwiegend gegen den Bergbau eines übermächtigen und mit der Politik verflochtenen Kohlekonzerns. Spätestens nach dem jahrelangen vom Bergbau rücksichtslos betriebenen Kohleabbau, der immer wieder Erderschütterungen und mittlere Beben im Saarland nach sich zog, hat die RAG die letzte Akzeptanz zumindest innerhalb der Bevölkderung im Landkreis Saarlouis verloren.

Bilsdorf, ein Ort im Grünen...

Lebhaft diskutiert wird in Bildorf seit Jahren aber auch permanent über starke Verkehrsbelästigungen. Vor allem die Anwohner der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt klagen über Verkehrslärm und Abgase, verursacht von Kraftfahrzeugen, die den Ort tagtäglich passieren. Schätzungsweise bis zu 9000 Fahrzeuge fahren täglich durch die Dorfstraße. Kaum verwunderlich, dass viele Bewohner dieser Straße mittlerweile ihre Schlafzimmer auf die der Straße abgewendeten Hausseite verlegt und fast schon resigniert haben. Vor allem bei Schichtwechsel der Saarlouiser Automobilwerke rollen geradezu Karawanen von Autos durch den Ort. Seit Jahrzehnten kämpft eine Bürgerinteressengemeinschaft unter der Initiative des engagierten Körpricher Alois Schnubel und dessen Sohn Dirk für den Bau einer durchgehenden Umgehungsstraße. Die Anstrengungen dieser Bürgerbewegung haben in Zusammenarbeit mit politischen Parteien und der Rathausverwaltung nach jahrlangen kontroversen Diskussionen dazu geführt, dass zumindest das Teilstück einer Entlastungsstraße entlang des Körpricher Homrichs gebaut worden ist.

Jedoch bringt die Homrichtrasse kaum spürbare Entlastung für die Bilsdorfer. Hier ist man der Ansicht, dass eine richtige Verkehrsentlastung erst durch den Bau einer Umgehungsstraße durch das Primstal nach Saarlouis und eine Anbindung der Homrichtrasse in Richtung Lebach erreicht werden kann. Die Zukunft wird zeigen, ob die politisch Verantwortlichen es tatsächlich schaffen, den berechtigten Anliegen der Bürger nachzukommen.....

Trotz der in den letzten Jahren gravierenden bergbaulichen Einwirkungen auf bestehende Bausubstanzen und der hohen Verkehrsbelastungen hat Bilsdorf nach wie vor einen guten Ruf als Wohnort im Grünen. So hat die Gemeinde Nalbach in den letzten Jahren in Bilsdorf zwei neue Wohngebiete mit attraktiven Bauplätzen erschlossen. Viele junge Familien sind hier sesshaft geworden. Obwohl die Anbindung des Ortes an die Buslinien des Kreises erheblich besser geworden ist, sind die Bilsdorfer auf das Auto angewiesen, um ihre täglichen Besorgungen zu realisieren. Im Ort gibt es seit Jahren weder ein Lebensmittelgeschäft noch einen Supermarkt oder Arztpraxen. Die nächsten Lebensmittelgeschäfte sind im benachbarten Körprich und Nalbach. Allerdings verfügt Bilsdorf noch über eine Postagentur. Zuletzt wurde die einst eigenständige Filiale der örtlichen Sparkasse nach Körprich "verlagert". Von den in den 70-erJahren florierenden sechs Gasthäusern in Bildorf haben heute nur noch zwei geöffnet.

Äußerst rege gestaltet sich das Bildorfer Vereinsleben. Etwa 20 aktive Vereine gibt es in dem Ort. Sie fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl unter der Bevölkerung. Zu den größten Vereinen zählen der Fußball-, Karneval- und Angelsportverein sowie die katholische Frauengemeinschaft. Aber auch die Freiwillige Feuerwehr sowie der Schützenverein prägen mit ihren Aktivitäten das Dorfgeschehen. Die Obst-und Gartenbauer sowie Pensionäre haben ihre Vereine mangels Interesse kürzlich aufgelöst. Dennoch, Tradition zu pflegen, bedeutet den Bilsdorfern sehr viel! So kümmert sich ein spezielles Team um die alljährliche Organisation der Kirmes. Pfarrer Wolfgang Goebel, zugleich auch Pastor in der Nachbargemeinde Körprich, setzte nach seiner Einführung im Jahr 2001 neue Impulse in der Pfarrgemeinde Bilsdorf....

Bis vor einigen Jahren gingen die meisten Bilsdorfer davon aus, dass ihr Ort in Europa - zumindest was den Namen angeht - "einmalig" sei.... Das nahmen auch der Autor dieses Artikels und sein Nachbar Dieter Lauer an. Auf einer Rollertour durch Luxemburg mussten sich die beiden Lokalpatrioten eines Besseren belehren lassen! 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt des benachbarten Großherzogtums Luxemburg gibt es tatsächlich noch einen Ort der ebenfalls Bilsdorf heißt, unglaublich aber wahr!

Bilsdorf in Luxemburg liegt im Kanton Redange, nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt und ist ein Ortsteil der Gemeinde Rambrouch. Allerdings ist das luxemburgische Bilsdorf mit seinen 100 Einwohnern weitaus kleiner als das saarländische, in dem immerhin 1300 Menschen wohnen.

Näheres zum luxemburgischen Bilsdorf > hier anklicken!

Copyright © Dieter Lorig - 2008

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