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Schiffsbau im Primstal

von Dieter Lorig

Vor über 100 Jahren starb im Primstal der jahrhundertealte Beruf der Schiffs- und Kahnbauer aus

Berufe kommen und gehen mit der Zeit! Jahrhundertelang war das saarländische Primstal von Landwirtschaft, Bergbau und Hüttenindustrie geprägt. Die hier lebenden Menschen mussten um zu überleben, oft mehrere Berufe ausüben.
Heute mag es unglaublich erscheinen, ist aber wahr. Einst war der Schiffsbau im Nalbacher Tal und auch weiter primsaufwärts ein blühendes Handwerk.
Mit Schiffsbau ist in diesem Fall die Fertigung von Flößen, Kähnen oder Nachen sowie weniger großen Booten gemeint.
Die Schiffsbauer an der Prims waren vor allem spezialisiert auf die Herstellung von kleinen "Fähren, im Volksmund auch "Achen" genannt. Es handelte sich hierbei um kleine flachbödige, bisweilen auch muldenförmige Kähne, mit denen die Menschen in früheren Zeiten die Prims überquerten.

Erste Brücken über die Prims, die in Dillingen in die Saar mündet, gab es erst seit dem 19. Jahrhundert. In den Jahrhunderten davor nutzten unsere Vorfahren kleine Boote oder Nachen, um von einem Ufer der Prims zum anderen zu kommen. So gab es ständig Nachfrage für die kleinen Boote, wodurch sich das Handwerk der Schiffsbauer im Nalbacher Tal und entlang der Prims über mehrere Jahrhunderte halten konnte.

Der Ortsvorsteher an historischer Stelle ..... ....die erste massive Bruecke ueber die Prims in Koerprich, erbaut um 1903, fuehrte zum Niedergang des Faehrbetriebes...

Der Körpricher Ortsvorsteher Manfred Müller zeigt die Stelle an der Prims, wo einst die Fähre übergesetzt hat. Der Bau der ersten massiven Brücke über die Prims in Körprich im Jahr 1903 (siehe rechtes Foto) bedeutete das endgültige Aus für den Fährbetrieb...

Im unteren Primstal waren in Nalbach, Körprich, Piesbach und Bilsdorf noch bis 1850 Schiffsbauer ansässig. Georg Colesie, Körpricher Heimatforscher und Kulturpreisträger des Landkreises Saarlouis, verwies in seinem Heimatbuch über die Geschichte des Nalbacher Tales auf Familiennamen wie Hein, Ladwein, Schiff, Bellmann, Paulus und Friedrich, deren Angehörige sich in Nalbach und Diefflen neben einer kleinen Landwirtschaft nachweislich mit dem Bau von Schiffen beschäftigten.
Allerdings muss die Konkurrenz im damaligen Schiffsbau an der Prims groß gewesen sein. Eigene Kinder,die den gleichen Beruf erlernt hatten, mussten meist aus dem Primstal wegziehen, um ihren Vätern als Schiffsbauer keine Konkurrenz zu machen.

Jedoch müssen die Schiffsbauer von der Prims einen guten Ruf gehabt haben. Einige Nalbacher Schiffsbauer fanden Arbeit in Saarlouis-Fraulautern. Dort befand sich an der Saar traditionell einer der bedeutendsten Schiffsbauplätze im Saarland. Einige Schiffsbauer aus dem Primstal zog es gar noch weiter in die Ferne. Kirchenbücher im Raum Trier belegen, dass es dort bereits im 17. Jahrhundert Schiffsbauer mit dem Herkunftsnamen "Nalbach" gegeben hat. Sogar in Koblenz und Bernkastel sollen Schiffsbauer mit Namen "Piesbach" und "Körprich" gelebt und gearbeitet haben.

Einer von ihnen war Bernhard Friedrich, Sohn eines Ackerers aus Nalbach. Er arbeitete zunächst als Schiffsbauer in Fraulautern. Nach 1830 "wanderte" Friedrich an die Mosel nach Sankt Barbara aus. Dort heiratete er in eine alteingesessene Schiffsbauerfamilie ein. Ahnenforscher von der Mosel konnten die Herkunft des Nalbacher Schiffsbauers eindeutig belegen.

In Dillingen-Diefflen und Nalbach lassen noch heute alte Flurnamen wie "Schiffsplatz" oder "Auf der Fahr" sowie "Beim Fährhaus" erahnen, wo sich die alten Anlege- und Übersetzstellen befunden haben müssen. Weitere Schifssanlegestellen gab es im unteren Primstal in Piesbach-Bettstadt, wo nur unweit des Primsufers eine Mühle betrieben worden ist. Aber auch in Körprich etwas oberhalb der jetzigen Primsbrücke befand sich eine Anlegestelle für eine Fähre (siehe Foto oben).

Betreiber dieser kleinen Fährboote waren in manchen Zeiten die Gemeinden, aber auch oftmals Privatpersonen. So mussten "Fährgäste" im Jahr 1880 für die Überfahrt von einem Primsufer zum anderen bei normalem Wasserstand in Körprich drei Pfennig bezahlen. Bei Hochwasser "verteuerte" sich der Preis der Überfahrt auf fünf Pfennig!

Um ihren harten Job überhaupt ausüben zu dürfen, mussten die Schiffsbauer an der Prims "Steuern" an ihre "weltlichen" Herrscher zahlen. Nach Recherchen von Heimatforscher Colesie waren die Nalbacher Schiffsbauer schon im Jahr 1633 verpflichtet, entweder 900 Eier oder 25 Franken an den Dillinger Vogt Wilhelm Marzloff von Braubach abzuführen.


Über die technischen Einzelheiten der Arbeit, die von den Schiffsbauern an der Prims geleistet werden musste, sind heute kaum noch Details bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie lange Eichenstämme über einer speziell eingerichteten Baugrube längs zersägten und später die Bohlen mit Gewichten sowie Feuerhitze verbogen. Danach wurden die Einzelteile zu kleinen Bootskörpern zusammengesetzt, Fugen abgedichtet und der Rumpf mit einem Teeranstrich wasserdicht gemacht.

Erst mit dem Bau von massiven Brücken und dem Einzug der Eisenbahn im Jahr 1901 begann der endgültige Niedergang des Fährbetriebes im unteren Primstal. Damit war auch das jahrhundertealte Schiffsbauhandwerk in dieser Region bedeutungslos geworden. Lediglich die Fähre in Dillingen-Diefflen soll noch bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts betrieben worden sein.

Heute ist das Schiffsbauhandwerk im Primstal total in Vergessenheit geraten, wobei breiten Bevölkerungsschichten nicht einmal bekannt sein dürfte, dass es jahrhundertelang Schiffsbauer entlang der Prims gegeben hat....

Hinweis:
Dieser Artikel wurde von mir sinngemäß auch in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Saarlouis/Dillingen am 6. August 2003 veröffentlicht..


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copyright © 2003 Dieter R. Lorig