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Geschichte der Körpricher Michaelskapelle

von Dieter Lorig

Die fast 700 Jahre alte Kapelle gab dem kleinen Ort an der Prims einen Namen

Die alte Körpricher Michaelskapelle hat eine wechselvolle Geschicht zu verzeichnen. Im Jahre 1332 wurde das kleine Gotteshaus, an den Ausläufern des Hoxberges gelegen, erstmals in einer Urkunde des Bistums Trier namentlich erwähnt.
Jahrhunderte hat die alte Kapelle, von 1926 bis 1934 sogar als Pfarrkirche erhoben, überdauert. Immer wieder nagten die Zeichen der Zeit an dem alten Bruchsteinbau. Doch zu allen Zeiten bis heute zeigte sich in beeindruckender Weise der ungebrochene Wille der Körpricher, ihre historisch bedeutsame Kapelle vor dem Verfall zu bewahren.

In neuem Glanz..Michaelskapelle 1988 nach der Sanierung.... Michaelskapelle im Jahr 2003

Zuletzt wurde das kleine Gotteshaus vor über 15 Jahren unter dem damaligen Pfarrer Hermann Josef Kirsch mit einem Kostenaufwand von weit über 150000 Euro von Grund auf saniert. Das ganze Dorf wie auch Land, Bistum, Kreis sowie Zivil- und Kirchengemeinde halfen damals durch ihre Spendenbereitschaft mit, die Sanierung der Michaelskapelle finanziell sicherzustellen. Zudem legten viele Körpricher Männer tatkräftig freiwillig Hand an und beteiligten sich unentgeltlich an den Sanierungsarbeiten. Selbst die nach dem letzten Krieg verschleppte Glocke der Michaelskapelle holten die Körpricher 1987 von der Lahn bei Limburg wieder heim in den Ort.

Georg Colesie, bekannter Körpricher Heimatforscher, schrieb in der von ihm äußerst gewissenhaft recherchierten Historie der Michaelskapelle: „Zwischen dem alten Gotteshaus und der Körpricher Bevölkerung bestand schon immer ein unlösbarer Zusammenhang“. Colesie konnte in seinen Nachforschungen beeindruckend nachweisen, dass sich das beharrliche Bemühen, die Kapelle zu erhalten, durch die Jahrhunderte hinweg zog wie auch das ungebrochene Streben der Körpricher nach einer kirchlichen Eigenständigkeit. Über Jahrhunderte hinweg wurde das kleine Körprich seelsorgerisch von Nalbach mitbetreut.

Vielleicht rührt die enge Verbundenheit der Körpricher mit ihrer Kapelle auch daher, dass sie dem Ort möglicherweise auf Dauer einen Namen gab. Das kleine Gotteshaus liegt auf einer Anhöhe über dem Primstal im alten Körpricher Ortskern an den Ausläufern des Hoxberges. Heimatforscher Colesie fand Hinweise auf eine ältere Form des Ortsnamens, nämlich „Kirperich“, was soviel wie „Kirch-Berg“ bedeutet. Später wurde hieraus wohl der heutige Ortsname „Körprich“.
Fast 25 Jahre lang diente die Körpricher Michaelskapelle vielen Gläubigen im Saarland auch als Wallfahrtskirche. Von 1934 bis 1958 initiierte die saarländische Schönstattbewegung regelmäßig an Christi-Himmelfahrt große Lichterprozessionen zu der Kapelle am Hoxberg. Das bekannte Madonnenbild aus Kleinmosaik ist heute noch zentraler „Blickfang“ im Altarraum der Körpricher Kapelle.

Altarrraum der Michaelskapelle ....über dem Ausgang die Wappen der Herrscher des Nalbacher Tales...links u rechts der Pforte die Gefallenengedenktafeln...

Von 1958 bis 1960 wurde die Kapelle auf Initiative des damaligen Körpricher Pfarrers Jakob Woll zur Gedächtnisstätte für Kriegsopfer umgestaltet. Im Innern der Kapelle sind zwei große Mahntafeln angebracht, auf denen die Namen junger Körpricher Männer zu lesen sind, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind.
Die Körpricher Kirchengeschichte verlief nicht immer „friedvoll“. Urkunden aus dem Spätmittelalter entnahm Heimatforscher Colesie, dass der damalige Pastor von Nalbach jährlich drei Messen in Körprich zu lesen hatte, und zwar an Ostern, Weihnachten und am Michaelsmarkt. Den Körpricher Gläubigen soll dies jedoch zu wenig gewesen sein. Im Jahr 1488 erwirkten sie einen Gerichtsbeschluss, wonach fortan alle 14 Tage eine Sonntagsmesse in der Körpricher Kapelle zu halten sei. Erst in den Wirren während und nach dem 30-jährigen Krieg gerieten die Körpricher Messen wieder in Vergessenheit. In der Chronik der Kapelle fand Colesie Hinweise, dass es immer wieder einzelne Pastöre gab, die sich weigerten, in dem kleinen Bauernort Körprich regelmäßig Messen zu halten. Doch die findigen Körpricher Bauern wussten sich zu helfen. 1685 soll es in Nalbach einen Kaplan gegeben haben, den die Körpricher im Wirtshaus immer wieder „zehrfrei“ hielten. Als „Dank“ hierfür soll benannter Kaplan den Körprichern dann immer wieder mal eine Messe in der Michaelskapelle zelebriert haben. Erst 1693 wurde Pastor Coenen richterlich von der Verpflichtung entbunden, alle zwei Wochen in Körprich einen Gottesdienst zu halten. Körpricher Bauern hatten diesen Prozess angestrebt, jedoch verloren, worauf es fortan wieder bei drei Messen im Jahr in der Kapelle blieb. Heute finden nur noch gelegentlich Gebetsandachten und in wenigen Ausnahmefällen Hochzeiten in der alten, aber immer noch sehr schmuck gestalteten Körpricher Michaelskapelle statt. Regelmäßige Sonntagsgottesdienste feiern die Körpricher in ihrer 1926 erbauten neuen Pfarrkirche „St. Michael“.


Hinweis : Dieser Artikel wurde von mir etwas modifiziert auch in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Saarlouis bzw Dillingen am 30. April 2003 publiziert.


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copyright © 2003 Dieter R. Lorig