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Kreuzförmiges Sakralbauwerk aus roten Ziegelsteinen

von Dieter Lorig

Die Körpricher Pfarrkirche "St. Michael" ist ein Gotteshaus mit bemerkenswerter junger Geschichte doch tragischen Komponenten und einem nicht alltäglichen Baustil

Die Körpricher sind sehr stolz auf ihre Pfarrkirche. Die immensen körperlichen und finanziellen Eigenleistungen, mit denen es ihre Väter und Urgroßväter vor 80 Jahren geschaffte hatten, in weniger als einem Jahr nach Baubeginn endlich zum Patronatsfest im Jahr 1926 ein eigenes großes Gotteshaus einweihen zu können, sind heute noch im Bewusstsein der Bevölkerung.

St. Michael Körprich ist eine kreuzförmige Saalkirche mit gotisierenden Elementen des Abstraktions-Historismus. Das mittels roter Backsteine aus der einstigen Dampfziegelei des Ortes erbaute Kirchengebäude besticht innen durch einen vierjochigen Saal mit Spitzbogenwölbung und ausladendem Querschiff unter dem zwei kleine Seitenaltäre angeordnet sind.

...historische Aufnahme von St. Michael Körprich mit dem markanten Vorbau.... ...wuchtige Kreuzgratgewölbe und zahlreiche Gurtbogen prägen das Innere von St. Michael....

Die Planer der Kirche orientierten sich konsequent an einem klassischen kreuzförmigen Grundriss. Gotische Stilelemente aus Epochen der europäischen Kunst des Mittelalters prägen die Einzelgestaltung im Innern dieser katholischen Dorfkirche, die vom Trierer Architekturbüro Prior&Casel geplant wurde. Architekt Prior war der Bruder des damaligen Dillinger Pfarrers Dr. Matthias Prior von Heilig-Sakrament.
Nachdem der Bauplan für die Körpricher Kirche von den bischöflichen Behörden und der Regierungskommission des Völkerbundes genehmigt worden war, begann das Saarbrücker Unternehmen Bell Anfang 1926 mit der Bauausführung. Zuvor hatten viele Männer aus Körprich unter Organisation des jungen Pfarrvikars Leo Montada mit einfachsten Mitteln die Baugrube ausgehoben, Kies, Zement und Backsteine heran gekarrt sowie über Wochen Tag und Nacht Grundwasser aus dem sumpfigen Baugelände manuell abgepumpt.
Tragisches Schicksal der Körpricher: Nur wenige Monate nach der Einweihung der neu erbauten Kirche verstarb ihr Pastor erst 36-jährig an den Folgen einer Krankheit, die er sich während des Kirchenbaues zugezogen hatte.
Pastor Montada wurde im Eingangsbereich der von ihm erbauen Kirche unter einer Pieta bestattet. Das bedeutsame Kunstwerk, mit Darstellung der Mutter Jesu und dem Leichnam ihres Sohnes, stammt aus der über 600 Jahre alten kleinen Körpricher Kapelle am Hoxberg.

...Unter der über 600 Jahre alten Pieta liegt der Erbauer der Körpricher Pfarrkirche begraben.... ...Buntglasfenster mit dem Erzengel Michael, dem Schutzpatron der Körpricher Pfarrgemeinde...

Die Ädikula des Haupteinganges, ein überdachter und an das Turmgebäude angebauter Vorbau, lenkt Blicke der Kirchenbesucher vor deren Eintritt in das Gotteshaus auf überlebensgroße Sandsteinfiguren der Kreuzigungsgruppe. Trotz des leider etwas verwitterten Zustandes verstärkt diese Bauvariante den sakralen Stil des Bauwerkes.
Die Kunstwissenschaftlerin Dr. Kristine Marschall beschreibt in ihrem 2002 herausgebrachten Buch über Sakralbauwerke des Klassizismus und Historismus im Saarland auch die baugeschichtlichen Besonderheiten von St. Michael Körprich.

Im Innern der Kirche gliedern Pilaster, das sind Wandpfeiler, sowie Gurtbogen den Raum. Untypisch für derartige historische Kunstbauwerke ist, dass die Querschiffarme durch Pfeiler in drei Joche unterteilt und ziemlich niedrig sind. Jedoch vermittelt eine solche Bauform den Charakter von untergeordneten Anräumen.
Das wuchtige Kreuzgratgewölbe und die Gurtbogen ruhen auf Wandkonsolen. Ungewöhnlich ist zudem der eingezogene Chor mit einem segmentbogigen Schluss. Der schlichte im Jahr 1963 modifizierte und nur leicht erhöhte Altarraum wird begrenzt durch mehrere Buntglasfenster mit biblischen und kirchengeschichtlichen bedeutsamen Bild-Motiven, darunter auch Darstellungen der Heiligen Familie.

Unverkennbar ist auf einem der Fenster die Darstellung des Erzengels Michael, Schutzpatron der Körpricher Kirche und Pfarrgemeinde, als Mittler Streiter zwischen dem Guten und Bösen in Gottes Fürsorge für die Menschen.
"Das Glasfenster mit unserem Schutzpatron war das einzige Fenster, das im Zweiten Weltkrieg in unserer Kirche nicht beschädigt oder zerstört worden ist", weiß Walter Reichert zu erzählen. Er ist stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Pfarrgemeinde. Der pensionierte Bergmann kümmert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich um die Belange der Kirche in seinem Wohnort.

....Klangwunder  Haerpfer-Orgel, die aus dem lothringischen Boulay stammt.... ....Taufecke in St. Michael.....

Auf die in St.Michael installierte Haerpfer-Orgel und deren hervorragenden Klangeigenschaften sind die Körpricher besonders stolz. Die 2001 erneuerte Orgel hatten die Körpricher 1942 im lothringischen Bouley der dortigen Kirchengemeinde abgekauft. Konzerte des Körpricher Kirchenchores unter Leitung von Heinz Rothkopf sind heute weit über die Pfarrgemeinde hinaus bekannt.

Pfarrer Wolfgang Goebel bestätigte im Gespräch mit dem Autor dieses Berichtes die besondere Glaubensbereitschaft der Körpricher und deren besondere Verbundenheit mit ihrem Gotteshaus.
In Würdigung der Leistung des Erbauers der Kirche und an dessen jüngeren Bruder Alois Monatada, der vor 50 Jahren als Rektor im Ort ein neues Schulgebäude bauen ließ, hat die Zivilgemeinde den Platz zwischen Kirche und Schule im Jahr 2005 in "Gebrüder-Montada-Platz" benannt.

Im April 2006 segnete Pastor Goebel ein in den letzten Jahren mehrmals mutwillig zerstörtes und danach renoviertes Wegekreuz mit dem aus Holz geschnitzten Korpus Christi im Rahmen der Palmsonntagfeierlichkeiten festlich ein. Das ehemalige Wegekreuz hat nunmehr einen neuen und sicheren Platz in der Körpricher Kirche gefunden.

...Sie erbauten die Körpricher Kirche und ein neues Schulhaus: Die Gebrüder Leo und Alois Montada.... ....erhielt einen neuen Platz in der Kirche: Das ehemalige Wegekreuz vom Hoxberg...

 

Zur Pfarrei: St. Michael Körprich gehören etwa 1800 Katholiken an. Seit 2001 betreut Pastor Wolfgang Goebel die beiden benachtbarten Pfarrgemeinden Körprich und Bilsdorf. Öffnungszeiten des Pfarramtes: Dienstag und Donnerstag, jeweils von 9-12 Uhr sowie freitags von 16-18 Uhr. Telefonnummer: (06838) 3323 - FAX: (06838) 860 433 - email: pfarramt-koerprich@t-online.de
Kirche: Kreuzförmiges katholisches Sakralbauwerk, erstellt mit heimischen Ziegelsteinen. Erbauer: Vikar Leo Montada. Messen: Jeden Sonntag, 9 Uhr, sowie an drei Samstagen im Monat jeweils um 18 Uhr. Literatur: Zweites Körpricher Heimatbuch: "Körprich-Kirche und Schule St. Michael" aus dem Jahr 2005, erhältlich in der Körpricher Landbrauerei und der LEVO Bank in Körprich. "Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland", Buch der Kunsthistorikerin Dr. Kristine Marschall aus dem Jahr 2002 (ISBN 3-923877-40-4).


Hinweis : Dieser Artikel wurde von mir etwas modifiziert auch in der SAARBRÜCKER ZEITUNG saarlandweit unter "Momente" am 06/07. Mai 2006 publiziert.


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copyright © 2006- Dieter R. Lorig