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Widerstand im Dorf:

Existenz verloren....mit dem Leben bezahlt

von Dieter Lorig

Wie die Nazis das Leben zweier Körpricher Familien total veränderte

Vor 70 Jahren traf die beiden Körpricher Johann-Sylvester Klein und Peter-August Trouvain in ihrer saarländischen Heimat die volle Härte der neuen nationalsozialistischen Herrscher . Letzerer verlor wenig später sein Leben, Klein seine Existenz.

Körprich.
Johann-Sylvester Klein, angesehener Bau- und Fuhrunternehmer, der sich mit sozialdemokratischen Ideen angefreundet hatte und sich in der Einheitsfront engagierte, wurde 1936 von den Nazis verhaftet und über Monate im Saarbrücker Gefängnis Lerchesflur interniert. 1937 zwangen ihn die Nazis, sein Unternehmen zu schließen. Klein hatte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Saargebiet im Jahr 1935 nie abgefunden. Er organisierte immer wieder konspirativ Widerstand gegen die Hitlerpartei.

Johann-Sylvester Klein mit Gattin AnnaPeter-August Trouvain

Auch das schlimme Schicksal des Körpricher Bergmanns Peter-August Trouvain ist den Nationalsozialisten zuzuschreiben. Trouvain - in Hüttersdorf geboren - war wie Klein Antifaschist und setzte sich in der Arbeiterbewegung für mehr soziale Gerechtigkeit sowie bessere Arbeitsbedingungen der Kumpels ein. "Über seine Antipathie gegen Hitler machte er auch öffentlich keinen Hehl, bestätigte seine heute 89-jährige Frau Maria im Gespräch mit der SZ.
Trouvain, dem eine Abneigung gegen Uniformen nachgesagt wurde, hatte sich beharrlich geweigert, Mitglied in dem von den Nationalsozialisten gesteuerten Bündnis "Deutsche Front" zu werden. Im Jahr 1937 denunzierte ihn der Hüttersdorfer NSDAP-Ortsgruppenleiter. Wenig später wurde ihm angeblich aus politischen Gründen als Bergmann gekündigt. Mit derartigen willkürlichen Entlassungen versuchten die Nazis, soziale und politische Bindungen von Widerständlern zu zerstören.

In seiner Heimat war Trouvain fortan beruflich ohne Chancen. Damit nahm sein Schicksal einen verhängnisvollen Lauf. Schließlich war es ein guter Bekannter, der dem 29-Jährigen schon bald zu einem neuen Job auf der Grube Mevissen bei Rheinhausen im Ruhrgebiet verhelfen konnte.
Im Alter von nur 31 Jahren verunglückte Trouvain 1939 jedoch tödlich untertage auf der Grube im Ruhrgebiet. Er hinterließ seine schwangere Ehefrau Maria Trouvain, die mit ihm ins Ruhrgebiet gezogen war.

....die heute fast 90-Jährige Maria Trouvain.... ...Geburts- und Todesbescheinigung Peter-August Trouvain...

Nachdem die Nazis 1937 Bauunternehmer Klein zur Geschäftsaufgabe gezwungen hatten, begannen für ihn und seine Familie schwere Zeiten, geprägt von existenziellen Nöten. Mit einer Hühnerfarm und dem Verkauf von Geflügelprodukten gelang es ihm, seine Familie vor und auch nach dem Krieg mit dem Nötigsten zu versorgen.
"Unser Großvater war immer ein gerechter, aber auch gläubiger Mann", bestätigte dessen Enkel Paul Klein (69).
Bereits Mitte der 20-er-Jahre hatte sich Klein, damals noch Bergmann auf der Grube Velsen, für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne eingesetzt. Wegen Mitorganisation von Kundgebungen und Streiks wurde Klein schon viele Jahre vor Machtübernahme der Nazis im Saarland als Bergmann entlassen.
Er musste sich selbstständig machen, um seine Familie weiter ernähren zu können.

Zudem wurde Klein wegen Mitgliedschaft in der Arbeiterbewegung bereits in den 20-er Jahren gezwungen, aus der Kirche auszutreten. Stärkste gesellschaftliche Kraft war damals der Katholizismus. Dessen Klerus beanspruchte in diesen politisch wirren Zeiten einen Führungsanspruch für sich. Freie Gewerkschaften oder Arbeiterbewegungen verbreiteten nach Ansicht der damaligen Kirchenfunktionäre marxistisches und religionsfremdes Gedankengut.
Nachdem zwei strenge Jesuitenpater 1923 in Körprich eine Mission gehalten hatten, gab es neun Kirchenaustritte in dem Primstalort. Klein, dem auch nach dem Krieg die Herrschaft der Franzosen im Saarland suspekt war, wurde keine staatliche Wiedergutmachung zuteil. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1959 weiterhin in Körprich.


Hinweis : Dieser Artikel wurde von mir etwas modifiziert auch in der SAARBRÜCKER ZEITUNG am 16. Juni 2006 publiziert.


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