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Auch Privatleute machten sich schuldig

von Dieter Lorig

Nalbacher Bürger unterstützten die Nazis in der Reichskristallnacht

Vergessen oder verdrängt!? Kaum zu glauben, die Nalbacher Nationalsozialisten fanden in der so genannten Reichsprogromnacht "tatkräftige" Unterstützung in der Bevölkerung.
65 Jahre nach den abscheulichen Geschehnissen dieser Nacht erinnert in Nalbach nur noch eine kleine Gedenktafel an die schreckliche Verfolgung der jüdischen Mitbürger. Immerhin hatte die Zivilgemeinde Nalbach diese Gedenktafel im Jahr 1993 auf Anregung von Oswald Kriebs in der Nähe des einstigen Standortes einer Synagoge als Mahnmal für mehr Menschlickeit und Toleranz installieren lassen.

In der Primstalgemeinde Nalbach wird heute kaum noch über die Zeit der Judenverfolgung gesprochen. Jedoch waren auch in Nalbach in der ganzen Nacht vom 9. auf 10. November 1938 - wie überall im Deutschen Reich - Adolf Hitlers Schergen unterwegs und verwüsteten die letzten Reste der ehemaligen kleinen Synagoge der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Da die Anzahl der Nalbacher Juden während der Nazizeit immer weniger wurde, musste die jüdische Glaubensgemeinschaft ihr Kirchengebäude schon 1937 verkaufen. Umso erstaunlicher, dass die Nalbacher Nazianhänger dennoch die verbliebene Ausstattung des inzwischen nicht mehr funktionsfähigen Gotteshauses der Juden während dem Novemberprogrom 1938 derart demolierten und in Brand steckten.

...die frühere Nalbacher Synagoge, die bis 1951 in der Nähe des heutigen Bauhofes stand... ...im Jahr 1993 errichtetes Mahnmal der Zivilgemeinde Nalbach....

Anschließend vertrieben sie die nur noch wenigen verbliebenen jüdischen Mitbürger, mit denen sie zuvor friedlich zusammen gelebt hatten, prügelnd - teilweise mittels Koppelschlössern - aus deren Häusern, die überwiegend in der Hauptstraße standen. Die wehrlosen Juden wurden auf der Straße zusammen getrieben und anschließend in die alte Schule beim Nalbacher Rathaus eingesperrt. Schließlich wurden die leerstehenden Wohnungen und Häuser der Juden geplündert. Aussagen von Zeitzeugen belegen, dass sich damals nicht nur SA-Leute am Eigentum der Juden vergriffen haben und diese misshandelt haben sollen. Auch ganz "normale" parteilose Bürger sollen aktiv an der Misshandlung der Juden und an der Plünderung sowie Zerstörung jüdischen Eigentums beteiligt gewesen sein. Fakten, über die in der Primstalgemeinde heute kaum noch jemand spricht bzw was wissen möchte.....
In den Tagen nach der Reichskristallnacht "trieb" es viele Nalbacher wohl aus Sensationslust, sicherlich aber auch einige aus Mitgefühl, an die Schule, wo die meist älteren jüdischen Mitbürger aber auch Kinder eingesperrt hungern mussten. Einigen Nalbachern Bürgern soll es gelungen sein, Lebensmittel und Medikamente in die Schule zu schleusen....

Permanenter "Judenhetze" waren zu dieser Zeit auch viele Nalbacher Schüler ausgesetzt. So soll ein auf Nazikurs getrimmter Lehrer vollmundig vor seinen Schülern gesagt haben: "Man hätte die Juden alle kaputtschlagen sollen!"
Bereits vor der Reichsprogromnacht blieb vielen Nalbacher Juden keine andere Wahl, als nach Frankreich, Luxemburg oder Belgien zu emigrieren. 1933 lebten unter den 2735 Einwohner zählenden Nalbachern nur noch 24 Juden. Ihre Häuser und Grundstücke musste sie zuvor weit unter dem tatsächlichen Wert an "arische" Mitbürger verkaufen. Juden, die die Reichsprogromnacht überlebten, wurden spätestens im Jahr 1940 nach Forbach/Lothringen gebracht und dort in Viehwagen per Eisenbahn in das Konzentrationslager Gurs in den französischen Pyrenäen deportiert.

Dort starben viele der Nalbacher Juden, darunter auch Rosa Bonn im Jahr 1942. Dagegen überlebte Kamilla Kahn vier Jahre in den Konzentrationslagern Gurs und Majdanek. Nach dem Krieg kehrte sie für wenige Wochen nach Nalbach zurück. Später wanderte sie nach Südamerika aus. 1959 zog Kahn wieder ins Saarland zurück und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1987 in Dillingen/Saar. Die Nalbacher Jüdin wurde auf dem Judenfriedhof in Dillingen/Saar-Diefflen beerdigt.
Von den einst in Nalbach und Diefflen lebenden Juden kamen während der Nazizeit neben Rosa Bonn auch die nachfolgend aufgeführten Personen um:

Fanni Baum, Charlotte und Karoline Kahn, Therese Metzler, Max Rakhovsky, Adolf und Louis Salomon, Josephine und Julia Weiler, Martha sowie Samuel und Theresia Weiler, Eugen und Ferdinand Wolff, Wilhelmine Wolfskehl.

Nach den Recherchen des Körpricher Heimatforschers Georg Colesie lebten in Nalbach und Diefflen schon vor der Französischen Revolution viele Juden in gutem Einvernehmen mit der Bevölkerung. Die ersten Juden kamen bereits im 16. Jahrhundert in das Nalbacher Tal. Schon im Jahr 1591 soll in Nalbach ein "Jud Meyer" gelebt haben. 1733 lebten zwölf jüdische Familien im Nalbacher Tal, wozu auch der heutige Dillinger Stadtteil Diefflen gehörte. Alle in Nalbach und Diefflen ansässigen Juden waren voll in die Dorfgemeinschaft integriert. Viele von ihnen handelten erfolgreich mit Groß- und Kleinvieh und galten in breiten Bevölkerungsschichten bis zur Machtergreifung der Nazis als angesehene Bürger.

Die Zahl der im Nalbacher Tal lebenden Juden schwankte immer wieder. 1858 sollen es in Nalbach gar 68 gewesen sein. 1895 gab es 33 jüdische Einwohner in Nalbach und 20 in Diefflen. Die hiesige jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Trier. Moses Bonn soll um das Jahr 1925 der Gemeindevorsteher der Juden gehießen haben. Ab 1932 nahm diese Funktion der in Diefflen lebende Moses Weiler wahr.

Die in Diefflen und Nalbach lebenden Juden waren stets eng miteinander verbunden. Bis 1854 nutzten sie in Diefflen einen Betraum, der sich im Haus von Herz Kahn befand. Die Nalbacher Juden, die teilweise in ärmlichen Verhältnissen lebten, bekamen ein baufälliges kleines Gebäude in unmittlebarer Nähe des heutigen Feuerwehrgerätehauses für ihre Religionsaussübung zur Verfügung gestellt. Mittels Spenden von der christlichen Bevölkerung, Beamten und Geistlichkeiten, vor allem aber mit einem großzügen zinslosen Kredit benachbarter Juden aus Saarwellingen, konnten die Nalbacher Judengemeinschaft das baufällige Gebäude zu einer kleinen Synagoge umbauen.
Im Oktober 1854 wurde das eigene Gotteshaus der Juden in Nalbach mit einem großen Fest eingeweiht.
Es handelte sich um eine sehr kleine Synagoge mit einer Breite von 6,30 Metern und Länge 10,70 Metern. Die kleine jüdische Kirche stellte quasi einen Längssaal dar, der mit einem Satteldach abgedeckt war. Wegen der engen Bebauung und es fehlenden Lichtes an beiden Längsseiten musste der Eingangsgiebel mit großen Fenstern versehen werden. Dessen Fassade war besonders markant. Drei Okuli und eine halbrunde Muschelnische lockerten den Schweifgiebel auf, der derart gestaltet an eine flämische-niederländische Barockarchitektur erinnerte. Weiter tiefer prägten romanisch-gotische Stilelemente die Fassade der kleinen Nalbacher Synagoge, die 1890 und 1922 jeweils renoviert wurde.

Das Gebäude der Nalbacher Synagoge blieb, trotz erfolgten Vandalismus in der Reichsprogromnacht im Jahr 1938, in seinen Grundmauern erhalten, wurde jedoch 1944/45 durch wiederholten Artilleriebeschuss beschädigt. Nach dem Krieg nutzten Anwohner das in der Mittelstraße 17 stehende Gebäude, um landwirtschaftliche Vorräte zu deponieren. Im Jahr 1951wurde das Gebäude vollständig abgerissen.


PS: Auszüge dieses Artikels wurden von mir am 10. November 2003 in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Dillingen/Saarlouis sinngemäß veröffentlicht.
Bei der Erstellung des Internet-Artikels stützte ich mich auf Veröffentlichung des Körpricher Heimatforschers Georg Colesie und der "Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen Raum" (siehe nachfolgenden Link!)

Weitere detaillierte und gesicherte Informationen über die Juden in Nalbach als auch deren Synagoge
unter: http://www.alemannia-judaica.de/nalbach_synagoge.htm

Anmerkungen des Autors:

Der Holocaust war also nicht nur eine schreckliche von den Nazis initiierte und bewusst gelenkte gesellschaftliche Fehlentwicklung, die sich krakenartig auf die damalige Bevölkerung in den großen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg oder München ausbreitete.
Nein, die menschenverachtenden Auswirkungen des Holocaust erreichten auch ländliche Regionen bis hin zu kleinsten Dörfern. Heute kaum nachzuvollziehen, dennoch bittere Wahrheit! Es waren anscheinend auch ganz normale Bürger an der Hetze, Plünderung sowie Misshandlung jüdischer Mitmenschen aktiv beteiligt.

Owohl ich erst viele Jahre nach dem letzten Krieg geboren bin, beschleicht mich immer wieder ein äußerst beklemmendes Gefühl, wenn ich über dieses Unrecht nachdenke, das unsere Vorväter der jüdischen Glaubensgemeinschaft zugefügt haben! Weder in der Schule noch im eigenen Elternhaus wurde hierüber konkret oder detailliert auf unsere Heimat bezogen gesprochen....

Schreckliche Beispiele in der jüngsten europäischen Geschichte (siehe Nordirland oder das frühere Jugoslawien...) belegen leider, dass die Menschheit nichts dazu gelernt zu haben scheint...Auch heute noch werden immer wieder Menschen wegen der Zugehörigkeit zu einem Glauben verfolgt oder getötet.... !!

Insofern, besonders Menschlichkeit und Toleranz sind mehr denn je gefragt!


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copyright © 8-2006 Dieter R. Lorig