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Hexenwahn im Nalbacher Tal

von Dieter Lorig

Vor 400 Jahren wurden auch im Primstal Männer und Frauen grausam exekutiert

Es müssen grausame Zeiten gewesen sein im 16. und 17 Jahrhundert unserer Zeitgeschichte. Damals war die Zeit der Hexenprozesse! Auch im Nalbacher Tal haben sich damals schlimme Tragödien abgespielt. In ganz Deutschland sollen zu dieser Zeit Tausende Frauen und Männer hingerichtet worden sein.

Die große Welle der Hexenprozesse, die damals ganz Deutschland erschütterten und viel Unglück über unzählige Familien brachten, ging auch am Nalbacher Tal nicht vorbei. Höhepunkt der Hexenverfolgung im Nalbacher Raum war die Zeit von 1575 bis 1611. Aus dieser Zeit sind mehrere Personen aus Nalbach, Körprich, Piesbach, Bilsdorf und Diefflen namentlich bekannt, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen.

Naturkatastrophen - Hunger - Missernten und Kriege müssen wohl heute als Gründe dafür angesehen werden, dass es in der damaligen Zeit zu dieser unglückseligen Entwicklung gekommen ist. Der Glaube an Hexen und Zauberer - bei Menschen schon von jeher stark verwurzelt - führte schließlich zu einer allgemeinen Hexenfurcht und wenig später zu einer gnadenlosen Hexenjagd! Die Masse der Leute gab damals den Hexen einfach die Schuld an allen Unglücken. Die Hochgerichte hatten zu jener Zeit blühende Konjunktur;überall brannten die Scheiterhaufen und niemand war mehr sicher, weil sich die Menschen gegenseitig verdächtigten und beschuldigten. Die Prozedur war immer die gleiche... Schon der bloße Verdacht, dass der Betreffende etwas mit Zauberei zu tun haben könnte, reichte aus, um den Unglücklichen zu verhaften, als Hexe zu beschuldigen und ihn dann im Turm des Dillinger Schlosses zu inhaftieren....

Es folgte die so genannte "Befragung in Güte", bei der der Beschuldigte ein Schuldbekenntnis ablegen konnte. In dieser Schuldanerkennung mussten die Inhaftierten einmal bezeugen, dass sie in einem persönlichen Kontaktverhältnis mit dem Teufel standen. Außerdem mussten sie zugeben, dass sie mit Hilfe des Teufels Zauberei zum Schaden anderer Menschen betrieben hatten. Bei hartnäckigem Leugnen wurden die Betroffenen dann auf grausame Art und Weise gefoltert, meist so lange, bis sie von sich aus ein Geständnis ablegten...

Die Kriminalrechtspflege im Nalbacher Tal lag damals in den Händen des Kurfürsten von Trier und von Wilhelm Marzloff von Braubach. Letzterer war bekannt und gefürchtet wegen seiner strengen Handhabung der Halsgerichtsbarkeit. Beide Vögte bildeten damals das Hochgericht, an dem die Hexenprozesse stattfanden. Die so zum Tod Verurteilten erwartete dann nachfolgend beschriebene Prozedur:

Dillinger Schützen brachten den oder die Verurteilten am Hinrichtungstag bis zur Grenze des Nalbacher Tales, wo sie von Nalbacher Schützen mit einem Transportkarren erwartet wurden. Der oder die Unglückselige wurde schließlich in den Karren verfrachtet und zusammen mit den Dillinger und Nalbacher Schützen durch Diefflen bis zum Pranger nach Nalbach geleitet. Das Halseisen stand damals bei einer Linde auf dem heutigen Hubertusplatz in Nalbach. Dort wurde den Betroffenen nochmals öffentlich das Urteil vorgelesen. Danach wurde der Verurteilte zum Galgenberg ("Gäljesberg") gebracht, wo die Hinrichtung vollzogen wurde. Die Kosten des gesamten Verfahrens gingen immer zu Lasten der Familie des jeweils Abgeurteilten. Über die Art der Hinrichtung ist nichts genaues überliefert. Selbst Hinweise in alten Schriften, wie "mit dem Feuer exekutiert" oder "zur Asche verbrannt", schließen nicht aus, dass der Verurteilte möglicherweise vor der Verbrennung auf "humanere Art und Weise" getötet worden ist. Ein Verbrennen bei lebendigem Leibe ist bei den Nalbacher Prozessen in keinem Fall mit letzter Sicherheit nachzuweisen.

Hinweis: Der Autor stützt sich in diesem Bericht auf einen Vortrag des bekannten Körpricher Heimatforschers Georg Colesie im Jahr 1984. Colesie war Kulturpreisträger des Landkreises Saarlouis. Jahrzehntelang erforschte er in seiner Freizeit die Geschichte des Nalbacher Tales und dokumentierte seine Erkenntnisse in einem gleichnamigen Buch.

copyright © Dieter Lorig 2003