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Widerstand im Dorf gegen Adolf Hitlers Schergen:

Mutiger Bilsdorfer Pfarrer sah Unheil voraus

von Dieter Lorig

Schon 1933 bekämpften die Nazis Pfarrer Nikolaus Demmer. Der mutige Pfarrer floh und überlebte nur so die Nazizeit

Bereits Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren sie hinter ihm her! Mehrfach musste Pfarrer Nikolaus Demmer, der steckbrieflich von den Nazis gesucht wurde, vor Adolf Hitlers Schergen fliehen. 1939 erkannten die Nazis ihm die deutsche Staatsangehörigkeit ab. Demmers Schicksal nach seiner Flucht aus Bilsdorf ist in dem kleinen Primstalort weitgehend unbekannt

Vor über 60 Jahren scheiterte Claus von Stauffenberg daran, Deutschland von Hitler zu befreien. Stauffenberg bezahlte für diese mutige Tat mit seinem Leben. Bereits zehn Jahre vorher bekämpfte der damalige Bilsdorfer Pfarrer Nikolaus Demmer die aufkommende Naziherrschaft. Mit viel Glück und trotz mehrfacher Versuche der Nationalsozialisten, ihn aus dem Pfarrhaus zu entführen, überlebte Demmer das Regime.
Über Frankreich flüchtete er 1935 - kurz nach Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich - nach Luxemburg. Dort hielt er sich in Redingen-Attert bei Freunden und zweitweise auch in einem Kloster der Franziskanerschwestern versteckt.

..ein mutiger Mann> Pfarrer Nikolaus Demmer ...

...im Waderner Heimatmuseum sind viele Informationen über Widerständler gegen die Naziherrschaft zusammengetragen...

Im Waderner Heimatmuseum ist der Lebensweg und der Widerstand des in Nunkirchen/Saar geborenen Pfarrers anschaulich dokumentiert. Pfarrer Demmer überlebte zwar den Krieg und die Schreckensherrschaft der Nazis, allerdings erkrankte er schwer, nicht zuletzt wegen der ständigen Verfolgung und des psychischen Drucks auf ihn. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 1945 als Seelsorger in Dasburg in der Eifel und später in Weiten. 1954 starb er an den Folgen einer Krankheit, die er sich auf der ständigen Flucht vor der Gestapo zugezogen hatte. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Nunkirchen beerdigt.

Sowohl in der katholischen Kirche als auch außerhalb machte der unerschrockene Pastor immer wieder Front gegen die Diktatur Nazideutschlands. Selbst ein Trierer Bischof und ein saarländischer Pfarrer fielen ihm öffentlich in den Rücken und gaben sich für die Nazipropaganda her, die schon vor der Rückgliederung des Saarlandes, aus Deutschland gezielt vorbereitet "einsickerte" (Quelle: Schulchronik Bilsdorf).

Demmer war Mitglied der Zentrumspartei und kämpfte schon als Pfarrverwalter in Mandern unerschrocken gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Immer wieder wies er - auch in seinen Predigten - auf ungerechte Aktionen der Nazis gegen Juden und sonstige Terrortaten des braunen Mopps hin. Im Jahr 1933 wurde gegen ihn Strafantrag gestellt wegen angeblicher Beleidigung des Ortsvorstehers. Nach ungerechtfertigten Verhören und Hausdurchsuchungen wurde Demmer zu 100 Reichsmark Bußgeld oder 10 Tage Gefängnis verurteilt. Seine Pfarrangehörigen standen jedoch zu ihm und sammelten genügend Geld, um die ungerechte Strafe bezahlen zu können.

Im Laufe des Jahres 1933 nahm die Hetze der Nazis gegen Demmer derart zu, dass er nach einem anonymen Anruf vor der anrückenden Gestapo von Mandern ins Saargebiet flüchten musste. Das Saargebiet stand damals noch unter Verwaltung des Völkerbundes. Der damalige Nalbacher Pastor Meffert, ein guter Freund von Demmer, verschaffte dem "widerspenstigen" Kollegen schließlich eine neue Seelsorgestelle in Bilsdorf. Aber auch an seiner neuen Wirkungsstelle in Bilsdorf "wetterte" Pfarrer Demmer von 1933 bis 1935 nicht nur von der Kanzel gegen die Nazis. Er warnte permanent vor einer Rückgliederung des Saargebietes ins Nazideutschland. "In Deutschland gibt es kein Recht und keine Gerechtigkeit mehr...", ..."der Nationalismus führt zur Katastrophe der Welt"..., verkündete Demmer sogar öffentlich in verschiedenen Zeitungen. Waren es doch die Nationalsozialisten, die ihm schon 1932 im deutschen Mandern gedroht hatten, ihn ins KZ zu stecken...
Nachdem sich in einer Unterschriftenaktion 92 Prozent der Bevölkerung von Mandern für eine Rückkehr von Pfarrer Demmer an seine frühere Wirkungsstelle ausgesprochen hatten, wäre der mutige und beliebte Seelsorger fast wieder nach Deutschland zurückgegangen. Ein Kölner Staatsanwalt, dessen Name nicht mehr zu recherchieren war, warnte Demmer jedoch vor einer Rückkehr nach Deutschland. So entschied sich Demmer in Bilsdorf zu bleiben.
Dies sollte die richtige Entscheidung gewesen sein, denn wenig später im April 1934 wurde in Deutschland ein Haftbefehl gegen ihn verhängt wegen seiner immer wieder sehr kritischen öffentlichen Äußerungen gegen die Nationalsozialisten. Wie sehr sich damals die Führungsriege des Trierer Klerus dem Nationalsozialismus ohne wirklichen Widerstand beugte, zeigt die Tatsache, dass der dortige Generalvikar den Seelsorger Demmer wegen politischer Hetze im Saarland vom Dienst suspendierte.

Schulrektor bespitzelte den Pastor im eigenen Dorf

Demmer, der aktives Mitglied der Zentrumspartei war, arrangierte in Bilsdorf immer wieder geheime Treffen mit Widerständlern aus Saarlouis. Im Bilsdorfer Pfarrhaus besuchten ihn wiederholt Dr. Feien und Dr. Hector (späterer Minister in der Regierung Johannes Hoffmann). Diese Treffen wie auch die Person Demmer waren Jakob Weyrich, damaliger Schulrektor in Bilsdorf, von Anfang an ein Dorn im Auge. Aus der Bilsdorfer Schulchronik ist zweifelsfrei nachzulesen, dass der Schulrektor des kleinen Ortes über Jahre hinweg den eigenen Pastor bespitzelte. Rektor Weyrich war Ortsgruppenleiter der Organisation "Deutsche Front Bilsdorf". In dieser Funktion brachte der fanatische Schulrektor von 1933 bis 1935 sämtliche Bilsdorfer Vereine und Gruppierungen auf seine Linie für die Abstimmung zur Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland. 88 Prozent der Bewohner von Nalbach und seinen Ortsteilen stimmten am 13. Januar 1935 für einen Anschluss des Saargebietes an Deutschland. Im gesamten Saargebiet waren es gar 90 Prozent. Grund genug für Pfarrer Demmer über Nacht nun auch aus Bilsdorf vor den "legitimiert" anrückenden Nazis zu flüchten.
Am 15. Januar 1935 wurde Demmer zum letzten Mal in Bilsdorf gesehen. Vor dem Pfarrhaus soll ein Auto mit einem lothringischen Kennzeichen gehalten haben. Es ist davon auszugehen, dass er zunächst Zuflucht bei seinen französischen Verwandten gesucht hat. Als sein Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung von den Franzosen abschlägig beschieden wurde, flüchtete der heimatlose und verfolgte Pfarrer nach Luxemburg. In einem Schreiben an eine Münchner Lebensversicherung soll Demmer 1938 die Nationalsozialisten als "braune Pest" bezeichnet haben. Dies führte dazu, dass ein neuerlicher Haftbefehl gegen ihn erwirkt und schließlich im Sommer 1939 ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wurde.

In Bilsdorf gibt es heute nur noch sehr wenige Menschen, die sich an den unerschrockenen und verfolgten Pfarrer erinnern. "Er war ein großer Marien-Verehrer", erzählte Frieda Steffen im Gespräch mit dem Autor dieses Berichtes. Sie war damals zwölf Jahre alt. "Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht", bedauert die Seniorin. Andere heute noch lebende Zeitzeugen aus Bilsdorf erinnern sich daran, dass mutige Bilsdorfer Männer (Berg- und Hüttenarbeiter) sogar über Nacht das Pfarrhaus bewachen mussten, um ihren Pastor vor eingeschleusten Nazis zu schützen, die ihn entführen wollten. Die Nazis versuchten sogar die Bilsdorfer Pfarrhaushälterin mit Geld zu bestechen, um so eine völkerrechtswidrige Entführung des unbequemen Seelsorgers realisieren zu können...

In Waldweiler, wo Pfarrer Demmer vor seiner Flucht nach Bilsdorf seelsorgerisch wirkte, hat der dortige Heimatverein im Mai 2011 eine Bronzetafel zur Erinnerung an den unerschrockenen Geistlichen im Eingangsbereich der Pfarrkirche St. Willibrord anbringen lassen.

Link zu weiteren Informationen ueber den Lebensweg von Pfarrer Nikolaus Demmer auf dem Portal Nunkirchen, das Tor zum Hochwald>
Hier klicken

Dieser von mir verfasste Artikel ist am 22.6.2004 in etwas modifizierter Form in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Dillingen&Saarlouis erschienen

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